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Handball: (Handball-Sport-Club e. V. Bad Neustadt)
Licht am Ende des Tunnels

Pressemitteilung

Handball 2. Bundesliga Süd, Männer
Samstag, 15.03.03, 18.30 Uhr, TSV-Bayer-Sportzentrum
TSV Bayer Dormagen - HSC Bad Neustadt 25:25 (13:14)

Nach acht Niederlagen in Folge gelang es dem HSC am Samstag Abend, die Negativserie zu beenden. In einem hochdramatischen Spiel konnte am Ende ein Punkt verbucht werden. Es war sowohl spürbar, dass die Mannschaft sich nicht aufgegeben hat als auch, dass dieser Punkt Balsam für das Selbstvertrauen darstellt. Die harte Trainingsarbeit verspricht also doch Erfolg. Nicht auszudenken, was eine erneute, diesmal ebenso knappe wie unverdiente Niederlage nach spannenden 60 Minuten für psychische Auswirkungen gehabt hätte. Es ist zwar noch ein weiter Weg bis zum Saisonende, auf dem noch vieles im Sinne des HSC klappen muss, wenn der Abstieg vermieden werden soll, aber HSC-Kameramann Klaus Euring erkannte sofort, was dieser Punkt aus dem Rheinland bedeutet. Der HSC kann nun aus eigener Kraft den Abstieg vermeiden. Mit einem Heimsieg am kommenden Mittwoch im Nachholspiel gegen Gelnhausen und zwei Punkten aus dem Spiel am 29. März in Erlangen könnte man die Erlanger überholen. Die Gastgeber waren gegen den HSC ebenfalls unter Druck. Nach einigen deftigen Pleiten auswärts hatte der Vorstand den Spielern eindringlich die Konsequenzen mangelnder Einstellung vor Augen geführt.

Gerade in einer großstädtisch geprägten Region wie dem Rheinland honorieren die Zuschauer nur Erfolge. Dies umso mehr als man in der Chemiestadt Erstligahandball noch in frischer Erinnerung hat. Die neue Halle im Sportzentrum des Chemiegiganten Bayer lässt bis auf die Zuschauerkapazität keine Wünsche offen. Eine schönere Spielstätte als die 2200 Sitzplätze bietende, äußerst großzügig und handballgerecht konzipierte Halle haben selbst manche Erstligisten nicht. In dieser Umgebung musste der HSC vor allem auf Kampf und taktische Disziplin setzen. Beiden Abwehrreihen merkte man an, was von ihnen erwartet wurde: entschlossenes Zupacken und möglichst wenig Chancen zulassen. Beides gehörte in der Vergangenheit nicht gerade zu den Stärken der Unterfranken. Umso verwunderlicher wie die Forderungen von Trainer Horia Markel-Suciu diesmal umgesetzt wurden. Vor einem vor allem in der 1. Halbzeit prächtig aufgelegten Håvard Martinsen im Tor rackerte die HSC-Abwehr in deutlich verbesserter Weise. Ex-Nationaltorhüter Peter Hofmann, nicht gerade ein Freund vieler und großer Worte, sparte dafür nach dem Spiel nicht mit Lob. Hofmann war sehr angetan vom Abwehrverhalten, das seine Erwartungen übertroffen hat. Daraus kann man Optimismus für die restlichen Spiele ableiten.

Trotz mancher fragwürdiger Pfiffe gegen HSC-Angreifer im ersten Abschnitt lag Bad Neustadt außer beim 2:1 nach fünf Minuten nie im Rückstand. Die Verantwortung im Angriff war breit gestreut, man verließ sich nicht nur auf Kapitän Mile Mijacinovic, der seinerseits sehr mannschaftsdienlich agierte. Neben dem herausragenden Goalgetter des HSC trugen sich mit Adi Blecha, Anders Indset, Espen Hanssen, Stig Skilbred und Daniel Sauer sechs Spieler bereits vor der Pause in die Torschützenliste ein. Nach der Halbzeit holten dies Gunnar Odden und der nach monatelanger Verletzung erstmals wieder eingesetzte Thomas Seiler nach. Bis auf den bereits in der Anfangsphase verletzt ausgeschiedenen Holger Lührs und die Torleute erzielten also alle eingesetzten Akteure mindestens ein Tor. Diese neue Form der Unberechenbarkeit gereicht dem HSC nicht zum Schaden.

Die mit dem schwedischen Weltmeister Henrik Andersson sowie den Nationalspielern Marcus Wallgren und Pascal Mahé angetretenen Dormagener mussten sich schon ordentlich strecken, um die Zwei-Tore-Führungen des HSC mit 2:4 (8.), 4:6 (14.), 5:7 (15.) und 6:8 (17.) jeweils wieder zu egalisieren. Der HSC spielte in dieser Phase eindeutig den besseren Handball und mit Martinsen stand ein massiver Rückhalt im Tor. Allein im ersten Durchgang parierte der Norweger 9 Würfe aus aussichtsreichsten Positionen. So war es nicht verwunderlich, dass nach 24 Minuten durch einen von Martinsen eingeleiteten und Mijacinovic abgeschlossenen Konter mit 9:12 die erste Drei-Tore-Führung gelang. Leider hatte diese nicht lange Bestand. Beim 11:13 parierte der für Matthias Reckzeh gekommene Marcel Leclaire einen Strafwurf von Mijacinovic und der ebenfalls erst relativ spät ins Spiel gekommene Ivan Ivisic brachte die in schwarz-weiß angetretenen Rheinländer gegen die etwas konfus wirkenden Neustädter wieder auf 13:14 heran. Bis zum Halbzeitpfiff wäre eine deutlichere Führung gut möglich gewesen.

Die Nerven der diesmal im einstelligen Bereich angesiedelten Anzahl der HSC-Fans wurden aber noch vor ganz andere Zerreißproben gestellt. Zwar gelang Anders Indset nach dem Wiederbeginn zunächst das 13:15, doch das mögliche 13:16 vergab er bei einem Konter allein vor Leclaire. Es folgte eine fast zehnminütige "Auszeit" der Gäste. Danach stand es 18:15 für Dormagen. Nicht Andersson und Wallgren, sondern Nils Meyer und Ivan Ivisic trumpften im Angriff auf, während Leclaire im Tor immer mehr abwehrte. Alles deutete nun auf die neunte Niederlage in Serie hin. Gut mitgehalten, aber irgendwann doch auf verlorenem Posten, so war es zu oft in den letzten Wochen gelaufen.

Die Mannschaft war aber nicht gewillt, nun aufzugeben. Auch wenn Mijacinovic beim 19:16 (42.) zum zweiten Mal mit einem Siebenmeter nicht an Leclaire vorbei kam, wurde weiter gekämpft. Ein kleines Tief im Angriff bei Indset veranlasste Horia Markel-Suciu, Gunnar Odden ins Rennen zu schicken. Der junge Vater sorgte mit dem 19:17 für den Anschluss und wenig später mit einem erneuten Hüftwurf für das 20:19. Auch Espen Hanssen war in dieser Phase hellwach. Er erzielte die Treffer zum 20:18 (44.) und 21:20 (51.) Wenig später schaffte Anders Indset nach erfolgreicher Pause den Ausgleich. Meyer und der bis dahin ohne Tor gebliebene sonstige Topscoorer Rainer Hantusch brachten ihre Farben wieder mit 23:21 nach vorne. Auf den Anschluss durch Blecha ließ Hantusch erneut ohne große Vorbereitung aus dem linken Rückraum das 24:22 folgen. Gut fünf Minuten vor dem Ende musste nun Indset zum Siebenmeter antreten. Er überwand die Nervenbelastung und erzielte das so wichtige 24:23. Die Gastgeber waren kräftemäßig nun nicht mehr auf der Höhe. Erstmals seit langem war der HSC in punkto Kondition obenauf. Sogar in der Schlussphase wurde noch die im bisherigen Saisonverlauf kaum gezeigte schnelle Mitte gespielt. Dadurch schaffte Skilbred gut vier Minuten vor Ultimo den verdienten Ausgleich. Die Schiedsrichter brachten in dieser Phase den Mut auf, in kurzer Folge (55:21 und 56:02) zwei Dormagener Akteure für zwei Minuten auf die Bank zu schicken. Für den 39-jährigen Abwehrriesen Pascal Mahé war es die dritte Zeitstrafe und damit die rote Karte. Neben Mahé musste auch Hantusch auf die Bank. Als dessen Zeitstrafe ablief, war das Werksteam im Angriff. Von der Bank lief Ivan Ivisic direkt auf die rechte Seite und netzte zur Überraschung der HSC-Abwehr, die hier ausnahmsweise einmal nicht im Bilde war, zum 25:24 ein. Für den unermüdlichen Kämpfer Stig Skilbred, der sich manches harte Duell mit Mahé geliefert hatte, brachte Markel-Suciu nach monatelanger Verletzungspause Thomas Seiler. Dem Kasseläner dürfte es besonders gut getan haben, dass er das erste Anspiel auf ihn an den Kreis gleich zum 25:25 versenken konnte.

Die beiden Unparteiischen ließen den nun folgenden Bayer-Angriff fast zwei Minuten laufen, ohne Zeitspielwarnung. Der letzte Wurf der Hausherren landete im Abwehrblock. Das rasche Zuspiel von Martinsen auf den gestarteten Mijacinovic war etwas ungenau . Sowohl der HSC-Kapitän als auch ein Dormagener hechteten nach dem sich flach in Richtung Toraus bewegenden Ball. Schließlich wurde die Uhr 2 Sekunden vor dem Abpfiff angehalten und Freiwurf für den HSC gegeben. Der Ausführungsort lag relativ weit links in der Nähe der Seitenlinie. Ein Abspiel wollten die Neustädter wegen der knappen Zeit nicht mehr riskieren. Der direkte Wurf fand den Weg ins Tor nicht mehr.

Alles in Allem ein gerechtes Unentschieden, das dem HSC Auftrieb geben sollte. Nicht nur das blanke Ergebnis, auch die Art und Weise wie es zustande kam, lassen Hoffnung aufkeimen. Die Abwehr geht stabiler und engagierter zu Werke und der Angriff spielt disziplinierter und mit breiter gestreuter Verantwortung. Es bleibt aber ein Muster ohne Wert, wenn im Nachholspiel am Mittwoch um 19.30 Uhr auf dem Neustädter Schulberg gegen Gelnhausen nicht nachgelegt wird. Immerhin weiß man nun, dass der HSC noch punkten kann. Das sollte auch die Fans aufrütteln und am Mittwoch für einen zahlreichen Besuch und die gewohnte Heimspielatmosphäre sorgen. Gelnhausen schaffte am Wochenende in Leutershausen übrigens ebenfalls ein 25:25.


TSV Bayer Dormagen
Matthias Reckzeh (1.-25.) und Marcel Leclaire (25.-60.); Ivan Ivisic 10(5), Nils Meyer 5, Henrik Andersson 4, Rainer Hantusch 2, Kate Wandschneider 2, Marcel Werincke 1, Marcus Wallgren 1, Pascal Mahé, Tamas Matyas, Burkhard Heesen (n.e.), Daniel Dembski (n.e.), Holger Beelmann (n.e.)

HSC Bad Neustadt
Håvard Martinsen und Thorsten Nick (bei 2 Siebenmetern); Espen Hanssen 5, Anders Indset 5(1), Adi Blecha 4, Mile Mijacinovic 4(1), Stig Skilbred 3, Gunnar Odden 2, Thomas Seiler 1, Daniel Sauer 1, Holger Lührs, Sebastian Kneuer (n.e.), Jan Mittelsdorf (n.e.)

Spielfilm:
0:1 - 2:1 - 2:4 - 4:4 - 4:6 - 5:7 - 6:7 - 6:8 - 8:8 - 8:9 - 9:9 - 9:12 - 10:12 - 10:13 - 12:13 - 12:14 - 13:14 === 13:15 - 18:15 - 18:16 - 19:16 - 19:17 - 20:17 - 20:19 - 21:19 - 21:21 - 23:21 - 23:22 - 24:22 - 24:24 - 25:24 - 25:25

Zeitstrafen:
TSV 8 Mahé 3 (26:57, 38:11, 55:21 rot), Andersson 2 (24:57, 34:40), Wernicke (17:16), Wallgren (21:04), Hantusch (56:08) HSC 5 Indset 2 (16:52, 41:47), Sauer (32:06), Skilbred (38:11), Odden (39:51)
Siebenmeter: 5 (5) / 5(2)
Ivisic verwandelt gegen Martinsen (21.)
Mijacinovic verwandelt gegen Reckzeh (22.)
Mijacinovic verwirft gegen Leclaire (26.)
Ivisic verwandelt gegen Martinsen (30.)
Ivisic verwandelt gegen Nick (33.)
Ivisic verwandelt gegen Nick (42.)
Mijacinovic verwirft gegen Leclaire (42.)
Ivisic verwandelt gegen Martinsen (48.)
Indset verwandelt gegen Leclaire (55.)
Indset verwirft gegen Leclaire (57.)

Schiedsrichter: Stefan Ludwig / Reinhard Pitterling (Hattersheim / Groß-Krotzenburg)
Zuschauer: 600

Stimmen zum Spiel:
Kai Wandschneider (Trainer TSV Bayer Dormagen):
Wir haben auswärts in den letzten Wochen einen Riesenmist geboten. Heute hat die Mannschaft nach den Aussprachen den Charaktertest bestanden. Mit dem Rückzugsverhalten, gerade gegen die schnelle Mitte, bin ich nicht zufrieden. So diszipliniert wie heute habe ich Bad Neustadt noch nie gesehen.

Horia Markel-Suciu (Trainer HSC Bad Neustadt):
Heute gab es für uns nur eins: kämpfen. Das haben wir bis zum Schluss auch durchgehalten. Ich gratuliere meiner Mannschaft zu dieser Leistung nach den vielen Turbulenzen in den letzten 2-3 Wochen. Die Abwehr und die 2. Welle gelangen heute besser. Neben Mile Mijacinovic mussten diesmal auch andere aus der 2. Reihe werfen. Ich hoffe, dass wir nächstes Jahr wieder in dieser sehr schönen Halle spielen können.


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Autor: hh
Artikel vom 17.03.2003, 09:09 Uhr
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