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Handball: (Handball-Sport-Club e. V. Bad Neustadt)
Wunder gibt es immer wieder

Pressemitteilung

Samstag, 05.04.2003, 19.30 Uhr Bürgermeister-Goebels-Halle Bad Neustadt
HSC Bad Neustadt - TV Kirchzell 26:25 (9:15)

Katja Ebsteins Schlager aus den Siebziger Jahren sollte eigentlich zum festen Repertoire der Musikeinspieler während der Heimspiele des HSC gehören. Alles was Handball bieten kann wurde am Samstag Abend in der Bürgermeister-Goebels-Halle für die 1100 Zuschauer aufgefahren, einschließlich einer wundersamen Wendung des Spielgeschehens. Das kleine Grüppchen angesichts des Halbzeitstandes von 9:15 vorzeitig gegangener Zuschauer dürfte diesen Schritt im Nachhinein kräftig bereut haben. Horia Markel-Suciu und sein Team haben bewiesen, dass der HSC auch in aussichtsloser Position weiterkämpft und inzwischen auch die Kraft hat, um in der Schlussphase noch etwas bewegen zu können. Angeführt von Stig Skilbred und Gunnar Odden, die gerade in den schwierigen Momen-ten Führungsqualitäten zeigten, wendete der HSC insbesondere durch Tore des Kapitäns Mile Mijacinovic ein schon verloren erscheinendes Spiel gegen den Tabellennachbarn aus Kirchzell. Im Vergleich zum Hinspiel 10 Tore mehr erzielen und den Odenwäldern 5 Tore weniger gestatten, das müsste im Normalfall zu einem deutlichen Sieg reichen. Nicht so nach dem Hinspieldebakel von 16:30! Die Formel reichte so zwar nur zu einem hauchdünnen 26:25-Sieg, aber den Zuschauern wurde wesentlich mehr geboten als bei einem glatten Spielverlauf. In den Anfangsminuten zeigten die Einheimischen, was sie aus dem Spiel in Erlangen gelernt hatten. Im Abstiegskampf zählen Aggressivität und Kampf in der Abwehr dop-pelt. So stemmte man sich mit Vehemenz den Angriffen der Odenwälder entgegen. Als Thorsten Nick einen von Rechtsaußen Bernd Hofmann, dem besten Kirchzeller, geworfenen Siebenmeter abwehren konnte, drehten Mile Mijacinovic, Espen Hanssen und Holger Lührs das 0:1 durch Routinier Frank Schmiedel zum 3:1 für den HSC. Die Ab-wehr der Gastgeber verfiel jedoch schnell in Lethargie. So konnten die agilen Gäste Tor auf Tor werfen, während im HSC-Angriff nicht viel zusammen lief. Michael Sommer, Olympiasieger Nenad Kljaic und Wirbelwind Bernd Hofmann, im nächsten Jahr Erstligaspieler beim TV Großwallstadt, brachten ihre Farben wieder mit 3:4 nach vorne. Anders Indset brachte mit seinen einzigen beiden Toren und einer insgesamt weit von seiner Bestform entfernten Vorstellung den HSC nach einer Viertelstunde wieder mit 6:5 in Führung. Es sollte für lange Zeit die letzte bleiben. Es folgten fünf Minuten ohne HSC-Tor, so dass die Gäste mit 6:10 davon ziehen konnten. Einzig Thorsten Nick erreichte in dieser Phase Normalform. Der Angriff agierte ohne Durchschlagskraft und die Abwehr erlaubte den Odenwäldern leichte Treffer. Zwei Rückraumtore durch Mijacinovic und Hanssen zum 8:10 und Lührs' Tor zum 9:11 brachten nur vorübergehend Linderung. In den letzten sechs Minuten gelang dem HSC nichts mehr. Auf der anderen Seite lochten Schmiedel und Hofmann je zweimal ein, so dass zur Pause die Anzeigentafel auf 9:15 stand. Die Kirchzeller wirkten robuster und sowohl im Laufspiel als auch im Spiel 1:1 überlegen. Wenn schon mindestens eines der beiden Teams absteigen muss, dann gewiss der HSC. So dachten zu diesem Zeitpunkt wohl alle neutralen Beobachter. Die Mannschaft wirkte einfach zu grün, zu unbedarft gegen die längst bekannten Finten der Gäste. TVK-Trainer Gottfried Kunz und sein Betreuerstab mit Bruno Schäfer und Kali Knobloch beschworen unmittelbar vor Wiederanpfiff ihre Spieler, jetzt nicht nachzulassen und den nahenden endgültigen KO des HSC nicht zu versäumen. Zweifel waren in den Minen der Betreuer allerdings nicht mehr zu erkennen. Auf der anderen Seite hatte Horia Markel-Suciu noch nicht aufgegeben. Immer wieder richtete er eindringliche Worte an seine Spieler, gerade wenn wieder einmal etwas schief gegangen war.

Zunächst hatten die Zuschauer auch Grund zur Freude. Stig Skilbred, der später im Zusammenwirken mit Gunnar Odden immer mehr die Fäden im Angriff in die Hand nahm, mit seinem ersten Treffer, sowie Mijacinovic per Siebenmeter und der auflebende Holger Lührs mit einem Konter brachten den HSC auf 12:15 heran. Nach 40 Minuten hielt der in der zweiten Halbzeit eingewechselte, grippegeschwächte Håvard Martinsen beim Stand von 14:17 einen Siebenmeter von Schmiedel. Die Aufholjagd ging aber dennoch nicht weiter. Eine Strafzeit gegen Mijacinovic nutzte Bernd Hofmann zu zwei Toren zum 14:19. Es war schon bedenklich, wie der eher kleine Hofmann auch aus dem Rückraum die Abwehr überwinden konnte. Als der nicht nur kämpferisch immer besser werdende Skilbred das 15:19 schaffte, war es erneut Hofmann, der einen Doppelpack zum 15:21 ablieferte. Eine Viertelstunde vor Schluss schien die Entscheidung gefallen. Kirchzell hatte zwar nachgelassen, aber der HSC agierte mit zu hoher Fehlerquote um daraus Kapital schlagen zu können. Zweimal führte ein langer Pass auf Mijacinovic nicht zu einem Kontertor. Freistehende Spieler wurden in der Hektik übersehen. Dieser HSC konnte einfach das Spiel nicht gewinnen. So dachten wohl auch die Gäste mit zunehmender Spieldauer. Endlich war nun das Glück dem HSC einmal hold. Ein abgeprallter Wurf landete bei Rechtsaußen Adi Blecha, der das 16:21 markierte. Im Gegenzug setzte Hofmann einen Siebenmeter über das Tor. Nun schlug Mile Mijacinovic zu. Der seit Jahren mit Abstand torgefährlichste aller HSC-Spieler behielt zunächst beim Siebenmeter die Nerven, ließ anschließend zwei Konter-tore folgen und setzte im Rückraum den 4. Treffer in Folge obendrauf. 20:21 - jetzt war wirklich wieder alles möglich. Die Halle tobte und die meisten Zuschauer verfolgten das Spiel nun phasenweise stehend. Andreas Tam, sonst nur in der Abwehr eingesetzt, erzielte bei einem Konter den Ausgleich und Gunnar Odden fing einen von ihm selbst an den Pfosten gesetzten Ball, den er im Nachwurf zum 22:21 einnetzte. Zehn Minuten lang schafften die Gäste kein Tor, insbesondere Schmiedel und Regisseur Hauptmann waren abgetaucht. Der HSC nutzte dies zu 6 Treffern in Folge. Nach dem 6:5 ging er erstmals wieder in Führung.

Die Gäste hielten nun aber wieder besser dagegen. Nach dem einzigen Tor von Hans-sen in der zweiten Halbzeit schafften Tom Meisinger, Sommer und Hofmann das 23:24. Gut 2 Minuten vor Ultimo schaffte Blecha den Ausgleich. Gut 100 Sekunden vor Abpfiff gelang Schmiedel per Siebenmeter das 24:25. Die Uhr stand auf 58:42, als Mijacinovic zu seinem 4 und letzten Siebenmeter antrat. Kurz vorher war Mile bei einem Konter frei vor dem Tor an Christian Jost im TVK-Gehäuse gescheitert. Horia Markel-Suciu nahm eine Auszeit. Der Taktikfuchs wollte seine Mannschaft auf die Zeit nach dem Siebenmeter einstellen. Die 78 Sekunden danach wäre eventuell nur noch Kirchzell in Ballbesitz gewesen und so dem HSC-Coach eine Auszeit unmöglich gewesen. Mile Mijacinovic trat erneut an die Siebenmeterlinie. Der Bosnier übernahm auch in schwieriger Situation die Verantwortung, behielt die Nerven und traf auch diesmal zum 25:25. Als die Odenwälder durch Kljaic übers Tor warfen, war erneut Mijacinovic zur Stelle. Obwohl manches im Spiel nicht gelungen war, der Kapitän schaffte 18 Sekunden vor dem Ende aus dem Rückraum das 26:25. Elf Sekunden später gab es den vorletzten Freiwurf für Kirchzell. Mit Ablauf der Spielzeit, der letzte Wurf ging erneut über das Tor, gab es noch einmal Freiwurf. Dieser nun direkt auszuführende Wurf brachte keinen Erfolg mehr. Zum neunten Mal in dieser Saison ging der TV Kirchzell mit einem Tor Differenz geschlagen vom Feld. Beim HSC war Håvard Martinsen der erste, der den Sieg realisierte. Er stürmte in den Mittelkreis, wo sich bald auch die anderen Akteure zum Jubeln einfanden.

Der Abstand zum HC Erlangen, der den rettenden 16. Platz einnimmt, ist damit auf 2 Zähler geschmolzen. Die Universitätsstädter verloren gleichzeitig in Oßweil mit 32:25. Wie im letzten Jahr sind die Chancen des HSC auf einen erfolgreichen Saisonabschluss nicht sehr groß. Vielleicht meint es Fortuna ja auch in dieser Saison gut mit den Unterfranken. Am nächsten Samstag gastiert Tabellenführer SG Kronau/Östringen in Bad Neustadt. Am 19.04. spielt der HSC beim langjährigen Rivalen TV Kornwestheim. Der Fanbus fährt um 15.30 an der Bushalle Geis ab. Anmeldungen nimmt wie immer Fam. Pfeiffer (Tel. 09771-8478) entgegen.


HSC Bad Neustadt
Håvard Martinsen (bei einem Siebenmeter und 31.-60) und Thorsten Nick (1.-30.); Mile Mijacinovic 10(4), Espen Hanssen 4, Adi Blecha 3, Holger Lührs 3, Stig Skilbred 2, An-ders Indset 2, Gunnar Odden 1, Andreas Tam 1, Daniel Sauer, Thomas Seiler, Sebasti-an Kneuer (n.e.), Jan Mittelsdorf (n.e.),

TV Kirchzell
Sven Ehrich (1. - 56.) und Christian Jost (56. - 60.); Bernd Hofmann 9(1), Frank Schmiedel 7(4), Michael Sommer 5, Nenad Kljaic 2, Timo Hess 1, Tom Meisinger 1, Alexander Hauptmann, Daniel Frank, Michael Meß, Sebastian Roth, Daniel Knobloch, Tobias Fleckenstein

Spielfilm:
0:1 - 3:1 - 3:4 - 4:4 - 4:5 - 6:5 - 6:10 - 8:10 - 8:11 - 9:11 - 9:15
===
12:15 - 12:16 - 13:16 - 13:17 - 14:17 - 14:19 - 15:19 - 15:21 - 22:21 - 22:22 - 23:22 - 23:24 - 24:25 - 26:25

Zeitstrafen:
HSC 4 Indset (01:12), Tam (24:18), Hanssen (42:43), Mijacinovic (59:53) TVK 3 Kljaic (40:32), Frank (46:12), Meß (56:59)

Siebenmeter: 4 (4) / 8 (5)
Hofmann scheitert an Nick (3.)
Schmiedel trifft gegen Nick (12.)
Schmiedel trifft gegen Nick (15.)
Schmiedel trifft gegen Martinsen (18.)
Mijacinovic trifft gegen Ehrich (33.)
Mijacinovic trifft gegen Ehrich (39.)
Schmiedel scheitert an Martinsen (40.)
Hofmann trifft gegen Martinsen (43.)
Hofmann scheitert an Martinsen (46.)
Mijacinovic trifft gegen Ehrich (47.)
Schmiedel trifft gegen Martinsen (59.)
Mijacinovic trifft gegen Jost (59.)

Schiedsrichter: Matthias Dang / Thorsten Zacharias (Mainz)
Zuschauer: 1100
Stimmen zum Spiel:
Gottfried Kunz (Trainer TV Kirchzell):
Es fällt mir sehr schwer, nach diesem Spiel eine Analyse abzugeben. Ich muss zu-nächst dem HSC gratulieren, auch wenn es mir heute nicht leicht fällt. Wir haben das 9. Spiel mit einem Tor verloren. In der ersten Hälfte haben wir sehr diszipliniert gespielt und einen schönen Vorsprung herausgeholt. Im 2. Durchgang ließen wir die Disziplin total vermissen. Heute hat die glücklichere Mannschaft gewonnen.

Horia Markel-Suciu (Trainer HSC Bad Neustadt):
Heute muss ich einfach den Zuschauern Dank sagen. Solch ein Publikum gibt es nicht oft, es hat in der 2. Halbzeit der Mannschaft sehr geholfen, das Spiel zu gewinnen. Im ersten Abschnitt haben wir zu viele Chancen nicht genutzt. Danach haben wir diszipli-niert weitergespielt und gekämpft um für den Verein und die Zuschauer den Bundesli-gaplatz zu erhalten.


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Autor: hh
Artikel vom 07.04.2003, 09:20 Uhr
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