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Handball: (Handball-Sport-Club e. V. Bad Neustadt)
Erst kein Glück und dann auch noch Pech

Hartmut Brunner

Handball 2. Bundesliga Süd, Männer Samstag, 26.04.03, 19.30 Uhr, Mehrzweckhalle Oßweil
TSG Ludwigsburg-Oßweil – HSC Bad Neustadt 35:33 (18:16)

Um die erneute Niederlage des HSC Bad Neustadt zu verdauen musste die Handvoll mitgereister Fans schon Trost in beinnahe philosophischen Sportweisheiten suchen. Eben der Ausspruch des früheren Fußball-Mittelstürmers Jürgen Wegmann, genannt Cobra, wonach man zunächst kein Glück und dann auch noch Pech gehabt hatte, passt auf die Ereignisse in Ludwigsburg-Oßweil vom Samstag Abend.

Wenn man im Bereich des Handballs bleiben will, hilft eine Anleihe beim letzten Weltmeistertrainer der deutschen Nationalmannschaft, Vlado Stenzel. Der mehrfache Tribünengast beim HSC hat schon vor 25 Jahren gewusst, dass man auswärts nur gewinnen kann, wenn man mindestens vier Tore besser ist. Die kurzfristige Absage von Kreisläufer Thomas Seiler wegen Verletzung und das Fehlen des nach Norwegen zurück beorderten Gunnar Odden machten die Aufgabe für die Unterfranken auch nicht einfacher.

Der HSC war bei den Ludwigsburger Vorstädtern, die bisher zu Hause erst ein Spiel verloren hatten und damit zu den besten Heimteams der Liga zählen, absolut ebenbürtig. Und dabei hatte Oßweil-Coach Oliver Hess tief in die Trickkiste bezüglich der Motivation gegriffen. Je nach Tabellenstand bemisst sich der Zuschuss, den der Verein zur Saisonabschlussfahrt der Mannschaft beisteuert. Wie man es von einem Profiteam vor eigenem Publikum nicht anders erwarten kann legten sich die Schwaben denn auch ins Zeug. Einziger Schwachpunkt war zunächst der sonst so zuverlässige Torwart Stefan Doll. Bis zur Auswechslung gegen Matthias Gysin nach 18 Minuten konnte Doll gerade mal einen Ball abwehren. Da zeichnete sich auf der anderen Seite Thorsten Nick ganz anders aus. Der Lange aus der Ortenau hielt etwa 15 Bälle prächtig und damit seine Mannschaft im Spiel. Nachdem anfangs sowohl Marco Huth als auch Mile Mijacinovic einen Siebenmeter, den einzigen während des gesamten Spiels für den HSC, ungenutzt ließen, lagen die Gastgeber ständig mit einem oder zwei Toren in Führung. Es entwickelte sich ein munteres und schnelles Spiel, bei dem neben Torwart Nick zunächst Espen Hanssen und Anders Indset mit je 5 Toren in der ersten Spielhälfte überzeugten. Als es nach 14 Minuten beim 8:5 erstmals drei Tore Differenz gab, zündete der HSC die nächste Stufe. Hanssen, Lührs und Indset schafften innerhalb von 2 Minuten den Ausgleich. Nun blieb der Spielstand stets knapp. Nach 20 Minuten gelang es dem unermüdlichen Kämpfer Stig Skilbred, seine Farben erstmals mit 10:11 in Führung zu bringen. In der Folgezeit offenbarte sich allerdings eine alte Schwäche des HSC. Zweimal war man bis zum Pausenpfiff noch in Überzahl, konnte allerdings keinen Vorteil daraus ziehen. Im Gegenteil, man geriet sogar mit 18:15 in Rückstand, ehe Kapitän Mijacinovic wenigstens noch zum Halbzeitstand von 18:16 verkürzen konnte. Bereits in dieser Phase wurde der HSC zweimal durch unverständliche Pfiffe gestoppt. Ein Stürmerfoul gegen Skilbred und Schritte gegen Mijacinovic trugen auch dazu bei, die Oßweiler in Vorhand zu bringen.

Was kaum jemand für möglich gehalten hatte traf nach der Halbzeit ein. Der HSC steigerte sich nochmals. Die offensive Abwehr mit Indset in vorgezogener Position konnte die sonst so gefährlichen Andrei Vassiliev aus dem Rückraum und Ingo Meckes vom Kreis fast neutralisieren. Für die nun etwas abgetauchten Hanssen und Indset sprangen Adi Blecha und Jan Mittelsdorf ein. Blecha kam zu einigen Kontertoren und Mittelsdorf schloss von Linksaußen sicher ab. Obwohl Gysin mehr hielt als sein Vorgänger Doll wechselte Oliver Hess die beiden noch ein Mal. Ohne Steigerung bei Doll wäre die Frage nach dem Sieger sehr wahrscheinlich anders beantwortet worden.

Dem HSC gelang sofort nach Wiederanpfiff der Anschluss. Nach 36 Minuten lag man gar wieder mit 20:21 vorne. Zwei Minuten später hieß es 21:23. Oßweil war schockiert, aber der HSC verlor die Ruhe und die Übersicht. Anstatt nachzusetzen und die Führung auszubauen, produzierte man Fehler. Nach drei planlosen Minuten hatten die unermüdlich kämpfenden Oßweiler wieder ausgeglichen. Das Spiel wogte nun hin und her. Die letzte HSC-Führung resultierte aus der 51. Minute, als Skilbred das 28:29 erzielte. Die Stimmung ging nun dem Höhepunkt entgegen. Das auf Grund der kleinen und kaum zweitligareifen Halle nur etwa 450 Zuschauer umfassende, recht sachliche Publikum konnte nun erneut eine Wende des Spiels bejubeln. Mit einem stark schritteverdächtigen Tor und einem Konter drehte Nico Fortenbacher das Ergebnis auf 30:29. Anschließend nutzte Brack einen Siebenmeter zum 31:29 und Huth netzte einen Abpraller zum 32:29 ein. Fünf Minuten vor Schluss sahen viele darin eine Vorentscheidung. Aber der nun wieder hellwache Indset (3) und Mijacinovic sorgten etwa 90 Sekunden vor Schluss für den 33:33-Ausgleich. Bereits in dieser Phase warteten die HSC-Akteure vergeblich auf den einen oder anderen Siebenmeterpfiff. Zweimal war man nun noch im Angriff, beide Male erkannten die Unparteiischen einen technischen Fehler, so dass auch der mehr als verdiente eine Zähler nicht herausspringen konnte. Dieser eine Punkt hätte den HSC auf den 16. Platz zurückgeführt, da parallel zum Spiel in Ludwigsburg der TV Kirchzell überraschend in Saarbrücken mit 32:26 verlor. Um 16. zu werden, muss man nun aus den beiden letzten Spielen einen Punkt mehr als Kirchzell holen. Wie dünn das Eis ist kann man in der Tabelle erkennen. Sollte das Spiel gegen Schlusslicht Saarbrücken am nächsten Samstag um 18.00 Uhr (!) verloren gehen, würde der HSC auf den 18. Platz durchgereicht. Angesichts der Leistung gegen Oßweil besteht allerdings kein allzu großer Anlass zum Pessimismus. In jedem Fall hat die Mannschaft gezeigt, dass sie sich nicht hängen lässt. Oliver Hess befand nach dem Spiel, dass „wieder Leben“ in der Mannschaft von Horia Markel-Suciu ist. Und der Oßweiler Coach und frühere Zweitligakreisläufer muss es wissen. Er hat nahezu alle Spiele des HSC auf Video gesehen.

TSG Oßweil
Stefan Doll (1. – 19. und ab 45.) und Matthias Gysin (19. – 45.) im Tor; Daniel Brack 9(4), Marco Huth 7, Markus Bögner 5, Christian Heikaus 4, Tobias Unfried 3, Nico Fortenbacher 3, Ingo Meckes 2, Ralf Abend 1, Sven Scheerschmidt 1, Andrei Vassiliev, Zeljiko Jerkovic (n.e.), Michael Walter (n.e.)

HSC Bad Neustadt
Håvard Martinsen (bei einem Siebenmeter, 45.) und Thorsten Nick im Tor; Anders Indset 9, Espen Hanssen 6, Mile Mijacinovic 6, Adi Blecha 4, Stig Skilbred 3, Jan Mittelsdorf 3, Holger Lührs 2, Daniel Sauer, Sebastian Kneuer (n.e.)

Spielfilm:
1:0 – 1:1 – 3:1 – 3:2 – 4:2 – 4:3 – 5:3 – 5:4 – 7:4 – 7:5 – 8:5 – 8:8 – 9:8 – 9:9 – 10:9 – 10:11 – 12:11 – 12:12 – 13:12 – 13:13 – 14:13 – 14:14 – 16:14 – 16:15 – 18:15 – 18:16 ===
18:17 – 19:17 – 19:18 – 20:18 – 20:21 – 21:21 – 21:23 – 23:23 – 23:24 – 24:24 – 24:25 – 26:25 – 26:27 – 27:27 – 27:28 – 28:28 – 28:29 – 32:29 – 32:30 – 33:30 – 33:33 – 35:33

Zeitstrafen:
TSG 6 Meckes 3 (19:32, 24:37, 47:32 rot), Huth (15:27), Abend (20:52), Scheerschmidt (45:20)
HSC 4 Skilbred 3 (29:57, 38:03, 53:07 rot), Bank (59:51)

Siebenmeter: 5 (4) / 1(0)
Huth scheitert gegen Nick (1.)
Mijacinovic wirft gegen Doll über das Tor (4.)
Brack verwandelt gegen Nick (24.)
Brack verwandelt gegen Nick (41.)
Brack verwandelt gegen Martinsen (45.)
Brack verwandelt gegen Nick (54.)

Schiedsrichter: Stefan Ludwig und Reinhard Pitterling (Hattersheim / Großkrotzenburg)
Zuschauer: 450

Oliver Hess (Trainer TSG Oßweil):
Der HSC ist für mich die eigentliche negative Überraschung der Saison. Die Mannschaft verfügt über unglaublich gute Einzelspieler. Sie hat sich in den letzten Wochen auch gut entwickelt, die 3-2-1-Abwehr funktioniert deutlich besser als die 6-0-Variante vorher. Der Aufschwung kommt aber wohl zu spät. Seit Montag hatte ich wieder Scheerschmidt und Unfried im Training dabei. Das ist zu kurz für eine wie gewohnt funktionierende Abwehr.

Horia Markel-Suciu (Trainer HSC Bad Neustadt): Zunächst möchte ich dem fairen Publikum in Oßweil Dank sagen und der TSG zum Sieg gratulieren. Wir haben heute sehr gut gekämpft und waren ganz nah an 2 Punkten. Gegen die Schiedsrichter sage ich seit meiner Zeit in Schweden möglichst nichts. Auch nach unserer heutigen Leistung sehe ich eine positive Entwicklung in der Mannschaft.
Das nächste Heimspiel gegen Saarbrücken wird am Samstag, dem 03.05.03 bereits um 18.00 Uhr in der Bürgermeister-Goebels-Halle angepfiffen.


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Autor: hh
Artikel vom 27.04.2003, 21:14 Uhr
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